Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) und Therapie mit Diphenylcyclopropenon (DPCP)
Leitung: Prof. Dr. med. T. Biedermann
Die Behaarung des Menschen hat keine wesentliche biologische Funktion zu erfüllen. Allerdings schützt sie am Kopf gegen Sonnenstrahlen, dient dem Berührungsempfinden und isoliert gegen Wärme und Kälte. Das Kopf- und Körperhaar hat darüber hinaus Bedeutung für das Aussehen des Menschen. Deshalb leiden viele betroffene Patienten sehr unter einem Haarausfall, Haarverlust oder Haarlosigkeit.
Die häufigste Form einer Haarausfallserkrankung ist die Alopecia areata (AA), der "kreisrunde Haarausfall". Er kann in jedem Lebensalter auftreten, bevorzugt betroffen sind Kinder und junge Menschen. Nicht selten besteht bei Patienten auch die Neigung zu Heuschnupfen, Neurodermitis oder allergischem Bronchialasthma.
Typischerweise findet man am behaarten Kopf eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen. Aber auch jedes andere Haar wie Augenbrauen, Wimpern, Achsel- und Schamhaare können betroffen sein. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind nicht bekannt. Man nimmt an, dass Immunzellen, die sich eigentlich um die Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen kümmern sollten, ihre Aktivität gegen die Zellen in den Haarwurzeln richten.
Eine ursächlich heilende Therapie der Alopecia areata ist nicht bekannt, in den 70er Jahren wurde allerdings eine örtliche Immuntherapie mit dem Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DPCP) entwickelt. Das Prinzip der örtlichen Immuntherapie besteht in der Erzeugung eines allergischen Kontaktekzems an der Kopfhaut. Das bedeutet, dass über die Kopfhaut gegen DPCP sensibilisiert wird und nach erneuter Anwendung von DPCP erfolgt eine Immunantwort (Dermatitis). Diese Anwendungen werden zunächst in wöchentlichen Abständen vorgenommen. Die Wirkung der Immuntherapie kann nach einer Behandlung über sechs bis neun Monate beurteilt werden. Die Immuntherapie mit dem Kontaktallergen DPCP ist die einzige örtliche Behandlung der Kopfhaut, deren Wirksamkeit bei der Alopecia areata im Links/ Rechtsvergleich nachgewiesen worden ist. Die Immunreaktion führt bei 50-60% unserer Patienten zu Haarwuchs.
Obwohl DPCP derzeit nicht als Medikament zugelassen ist, sind wir der Auffassung, dass genügend Erfahrungen vorliegen, um diese Behandlung in unserer Klinik anzubieten. Die Anwendung erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen, um eine unnötige Sensibilisierung von Personal oder Angehörigen zu vermeiden. Eine Anwendung wird daher nur in spezialisierten Zentren erfolgen. Von den Krankenkassen wurde zum 1.1.2004 die Haarbehandlung aus dem Leistungskatalog gestrichen. Deshalb müssen wir die Material-, Herstellungs- und Behandlungskosten in Rechnung stellen.
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